
Ad: Süddeutsche Zeitung, „So einen Eingriff hat es noch nie gegeben“, 26. März 2026

Da der Artikel der sz gerade auch von anderen Medien zitiert wird: Die sz hat die Projektidee ziemlich reduziert: mir ging es um die Anregung einer Recherche zur longue durée deutsch-palästinensischer Literaturbeziehungen, insb. mit Blick auf vorhandene und fehlende Übersetzungen sowie auf die strukturellen – sehr deutschen, d.h. antipalästinensischen – Bedingungen, unter denen diese Auslassungen entstehen. Kanafani, Darwish und Azzam waren als Ausgangspunkte gedacht, nicht, dass zu ihnen nichts vorläge.
Geplant war bzw. ist eine temporäre Forschungsstelle zu deutsch-palästinensischen Literaturbeziehungen; ein offener Arbeitsraum für öffentliche Archiv- und Literaturrecherche, für Übersetzung als gemeinsame Praxis, für Gespräche über Kontinuitäten und Brüche in literarischer Solidarität. Gab es diese Solidarität – und wie ließe sich an sie anknüpfen?
Die Trennung zwischen „aktivistisch“ und „literaturhistorisch“ stammt nicht von mir.
Dass das Verstorbensein einiger der palästinensischen Autor*innen derart betont wird, finde ich unnötig und fragwürdig. Ich sehe die struggles und Forderungen dieser Schreibenden bis in die Gegenwart reichen. Sie dauern an.
Said nannte die Selbstbespiegelung westlicher Kultursphären eine wilderness of mirrors. Die Zentrierung einer einzelnen „Zurückstellung" lenkt ab von den Ausschlüssen, in denen wir uns seit Jahrzehnten – auch lesend – bewegen. Lassen wir uns nicht ablenken.

Das Glossar bezieht sich auf das Al-Khatib-Verfahren, in dem jüngst in Koblenz unter dem "Weltrechtsprinzip" zwei Geheimdienstler des syrischen Assad-Regimes vor Gericht gestellt wurden. Das Glossar experimentiert mehrsprachig und multimedial mit den porösen, zaghaften und unvollständigen Spuren des revolutionären Geschehens in Syrien, die in Koblenz zur Sprache kommen, löst Wörter und Begriffe aus einer bestimmten juristischen, politischen Ordnung – und Satzstellung – heraus, befragt sie anders, nicht zuletzt nach ihrem utopischen Gehalt. Dabei geht es oft um ein investigatives Eingreifen literarischer Formen in soziale Prozesse, ein Durcharbeiten von Worten, die gewaltbehaftet sind.
//Installation, Leseperformances//
2021-2022 Präsentation von Auszügen der Arbeit im LCB, Strandbad Tegel, Theater X und in der Lettrétage, u.a.:
"Berliner Gegenwartsliteraturen mit dem Kollektiv Wiese مرج (Wie es ist)", eine diskursive Lesereihe mit Lara Sielmann und Lena Vöcklinghaus, Villa Oppenheim, Berlin, 2022
Leseperformance "Al-Khatib: Der unsichtbare Prozess" im Rahmen der Veranstaltung "Literaturstadt Berlin", Literarischen Colloquium Berlin, 2021
Ausstellung des Glossars im Theater X, Berlin-Moabit, 19.-20.11.2022





31.01.2025 Discussing Al Khatib Glossar in der Reihe Bridging Narratives: Literarische Vielfalt in Berlin des Studiengangs Angewandte Literaturwissenschaft (FU), Literaturforum im Brechthaus

01.06.2023 Al Khatib Glossar in der DLF Lesart

Aufzeichnung vom 30.06.2022; diskursive Lesereihe Berliner Gegenwartsliteraturen von Lara Sielmann
Virtuelle Plattform al-khatib-glossar.com


Sprechtheater; Bühnenadaptation von Elfriede Jelineks "Die Schutzbefohlenen" – eine Kooperation zwischen dem Refugee Protest Camp Vienna, dem Kollektiv Versatorium und Ivna Žic, Burgtheater, Wien.
mit dem Versatorium
Preis der Stadt Münster für Internationale Poesie 2015 (für die kollaborative Übersetzung von Charles Bernstein, Volume 1.1, Edition Korrespondenzen, 2013).
